Solarhaus Abrecht

 Solar-Aktivhaus  Abrecht

Solares Niedrigenergiehaus mit transparenter Wärmedämmung 

Solarhaus Abrecht

Östliche Friedrichstr. 23
75210 Keltern-Dietlingen

Deutschland

Architektonisches Konzept 

 

Das Gesamtkonzept beruht grundsätzlich auf der Minimierung der Gebäudeoberfläche bei gleichzeitiger Optimierung der Größe und Orientierung der Solarapertur. D.h. der architektonische Entwurf bildet eine Synthese zwischen minimalem Energieverlust über die Gebäudeoberfläche (passive Komponente) und maximalem Gewinn von Sonnenenergie durch südorientierte Flächen (aktive Komponenten).

 

Diese Zielsetzung wird durch einen kreissegmentförmigen Grundriss mit 212° erreicht, dessen Bogen nach Süden weist, während die gerade fensterlose Nordseite noch etwa zur Hälfte in der Erde verschwindet. Alle Wohn- und Aufenthaltsräume sind im nach Süden orientierten Halbkreis untergebracht, während die Bäder und Nebenräume sich nach Norden anschließen.

 

Der Treppenaufgang befindet sich im Zentrum des Gebäudes und ist im Ober- und Dachgeschoss in einen Innenhof integriert, der über eine Plexiglaskuppel belichtet wird. Durch spezielle 3 Scheiben Holz-Aluminium Verbundfenster mit integrierter Jalousie (U-Wert 1,1 W/ qmK) kann der Lichteinfall stufenlos geregelt und die Atmosphäre von introvertiert bis extrovertiert verändert werden.

Technisches Konzept

 

  • Opake Wärmedämmung

Opake Flächen besitzen eine Wärmedämmung mit U-Werten von ca. 0,2 W/ qmK.

 

  • Transparente Wärmedämmung (TWD)

Auf der halbkreisförmigen nach Süden orientierten Wand ist von Südost bis Südwest auf 3 Geschossen ca. 90 qm TWD-Wandheizungssystem installiert. Die TWD bildet die Hauptheizung, es gibt keine Heizkörper in den südorientierten Räumen.​​

  • Kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung, Zusatzheizung

Es ist eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung (Gegenstrom-Plattenwärmetauscher mit Rückwärmzahl über 80%) installiert, die den hygienisch erforderlichen Luftwechsel garantiert und die Lüftungswärmeverluste minimiert. Über diese Lüftung kann den Wohnräumen über einen Luft-Wasser-Wärmetauscher eine geringe Wärmeleistung von max. 20 W/qm zugeführt werden. Die Wärme für diese Zusatzheizung wird von 26 qm Sonnenkollektoren und, wenn dies nicht ausreicht, von einem 10 kW Brennwertkessel und zur Verfügung gestellt. Die Bäder werden über Heizkörper beheizt.

  • Sonstige ökologische Details

 

Die 25-40 cm dicke Wärmedämmung im Dach besteht aus Recycling-Korken, die vom Enzkreis auf den Recyclinghöfen gesammelt wurden, gemischt mit Recycling-Korkschrot im Verhältnis 1:1. Das Dach mit einer Neigung von ca. 5° ist extensiv begrünt. Das anfallende Regenwasser wird in einer Erdzisterne gesammelt und versorgt WCs, Ausgussbecken und Garten.

  • Auszeichnung​

Das Gebäude wurde mit dem EUROPEAN SOLAR PRIZE ausgezeichnet.

Solarstysteme 

 

  • Kollektoren zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung

 

An der nach oben verlängerten rückwärtigen Wandscheibe sind hocheffiziente Vakuum-Röhrenkollektoren (Aqua-System) mit 26 qm Kollektorfläche aufgehängt. Sie gewährleisten zum Großteil die Warmwasserbereitung und können Überschusswärme zu Heizzwecken in einen Pufferspeicher einspeisen.

 

  • Fotovoltaik

 

Auf der schräg abgeschnittenen Wandscheibe und auf der Dachfläche ist eine 6,2 kWp Fotovoltaik-Anlage im Netzparallelbetrieb installiert. Sie erzeugt ca. 5800 kWh elektrische Energie.

Gebäude- und Energiedaten

Baujahr

Wohn-/Nutzfläche

Volumen

Wärmebedarf

Gas (Ø 20 Jahre)

TWD

Solarthermie

TWD

Kollektorfläche

Kombispeicher

Strombedarf

Haushalt + 2 Büros

Auto

PV-Fläche

Netzeinspeisung

1993

273 qm / 356 qm (Normbezug)

1360 cbm

25000 kWh/a 

Gas ( Ø 20 Jahre)

TWD

Solarthermie

90 qm brutto

26 qm brutto

840 Liter

5800 kWh/a, davon

4300 kWh/a

1500 kWh/a (=10.000 km)

45 qm brutto (6,2 kWp)

5800 kWh/a (130 kWh/qm)

Führungen im Solarhaus 


Als Planer und Bewohner des mit dem Europäischen Solarpreis ausgezeichneten Wohn- und Bürohauses bieten wir interessante Führungen für Gruppen wie Studierende, Dozenten, Schüler, Interessierte (Fach-)gruppen oder auch Einzelpersonen an. Hierbei erfahren die Besucher unter anderem alles über

 

  • Eckdaten, Gründung, Initiatoren

  • Vorgaben, Ziele und Grundidee des Projekts

  • Gebäudetechnik

  • Passive Solartechnik: Transparente Wärmedämmung

  • Orientierung, Fenstertechnik, Abschattung

  • Wärmedämmung und Vermeidung von Wärmebrücken

  • Aktive Solartechnik: Thermische Solaranlage und Fotovoltaikanlage

  • Dach- und Wandaufbauten, Einsatz von Recyclingbaustoffen

  • Heizung und kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung

  • Regenwassernutzung zur Toilettenspülung und Gartenbewässerung

  • Die persönlichen Erfahrungen der Bewohner

 

Im Rahmen dieser zweistündigen Führungen erfahren die Besucher nicht nur die planerischen Details dieses Gebäudes, sondern auch wie sich diese auf den heute tatsächlichen Energieverbrauch auswirken und genießen bei einer Tasse Kaffee die entspannte Atmosphäre in dem von Licht durchfluteten Solarhaus. Jeder Besucher erhält zudem eine ausführliche Beschreibung zum Solarhaus.  

© Birgit Abrecht